Thüringer Klöße
Früher gab es bei Oma jeden Sonntag die Klöße, entweder Stärkeklöße oder die echten Thüringer Klöße. Ich weiß noch wie ich als Kind auf der alten Schleuder saß und ordentlich durchgeschüttelt wurde, als dem Kloßschab so seine Flüssigkeit abgepresst, bzw. geschleudert wurde. Meine Oma hat immer riesige Klöße gemacht, und davon einen großen Topf voll. Der Kloßschab wurde in Kloßsäcke eingefüllt, verschlossen und ab in die Wäscheschleuder. Geschwefelt wurden sie auch, die Klöße, damit sie ihre schöne hellgelbe Farbe behielten.
Heute spare ich mir das schwefeln und auch das schleudern. Mit einem Leinentuch, Geschirrtuch oder einem Kloßsäckchen, kann man prima die Flüssigkeit abpressen. Und auch wenn ich nicht schwefele, meine Klöße bleiben schön gelb.
Das Rezept für Omas Stärkeklöße, wir Kinder nannten sie immer Watteklöße, findet ihr auch bald auf meiner Seite. Das ist übrigens der Lieblingskloß von meiner Tochter, weshalb ich die "Watteklöße" öfter auf den Teller zaubere. Außerdem sind sie weniger aufwendig, geschmacklich aber genauso gut wie unsere Thüringer Klöße.
Und was ich noch immer benutze, Omas alten Holzquirl. Den hat sie immer nach Weihnachten aus den Weihnachtsbaumspitzen geschnitzt. Er ist schon leicht angebrochen an einem Ästchen, aber er hält schon fast 20 Jahre.
Oma Anneliese, das Rezept ist für dich. Danke das du mir soviel beigebracht hast und immer da warst. Für mich bleibst du die beste Köchin der Welt!
Zutaten
Zubereitung
Schälen und Kochen
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Vorbereitung der Kartoffeln und der Semmelwürfel.
Wir brauchen etwa 1,2 kg Kartoffeln. Wichtig ist, sie müssen mehlig kochend sein. Es muss nicht unbedingt Kloßkartoffeln auf der Packung stehen. Eine gute mehlig kochende Sorte ist die Agria, die sich auch gut zum einkellern eignet.
Die Kartoffeln schälen und gut abwaschen. Nun etwa 800g von der Gesamtmenge in dünne Scheiben schneiden und sie mit einem Liter Wasser und 1 gut gehäuften Teeloffel Salz zum kochen bringen. Ungefähr 30 Minuten kochen und dann mit einem Kartoffelstampfer oder einem Pürierstab zu Brei verarbeiten. Kochplatte auf die kleinste Stufe Stellen, die Masse muss kochend heiß sein bei der Herstellung von unserem Kloßteig.
In der Zwischenzeit kann man die Semmelwürfel rösten und den Kloßschab bearbeiten .
Für die gerösteten Semmelwürfel ein schon ein paar Tage altes Brötchen, Weißbrot oder Toast (hier je 4 Scheiben)in ungefähr 1 cm große Würfel schneiden. In einer Pfanne erst einmal die Hälfte der Butter schmelzen und die Brötchenwürfel hinein geben. Sofort gut durchmengen, da sich sonst nur eine Seite der Würfel mit der Butter vollsaugt. Während des Röstvorgangs immer ein kleines Stück Butter hinzu fügen, je nach Bedarf, bis alle Würfel schön goldbraun geröstet sind.
Jetzt machen wir unseren Schab. Ich nehme immer eine ganz normale Handreibe und reibe die restlichen rohen Kartoffeln, etwa 400g, in eine Schüssel. Ich reibe größtenteils durch die kleinste Lochgröße, eine Kartoffel jedoch auf der größeren.
Dann wird der noch nasse Schab in ein Kloßsäckchen, ein Geschirrtuch oder Leinentuch gefüllt und richtig ausgewrungen, bzw. die Flüssigkeit abgepresst. Ich presse sie immer in den Topf mit den Breikartoffeln, den in der Flüssigkeit steckt viel Kartoffelstärke.
Wenn ihr den Brei ansetzt, stellt noch einen großen 5 Liter Topf gefüllt mit 3 Liter Wasser in 2 TL Salz auf den Herd und bringt das Wasser zum kochen. Darin schwimmen später unsere Klöße.
Der Kloßteig
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Jetzt braucht man Muskeln!
Jetzt kommt der schweißtreibende Teil. Wir brauchen eine große Schüssel mit einem flachen Boden und einen großen, stabilen Holzquirl.
Jetzt machen wir drei Haufen. Der eine ist unser Stärkemehl, auf dem einen halben Teelöffel Salz und einen viertel bis halben Teelöffel Muskat streuen. Der nächste ist unser ausgepresster Kartoffelschab. Der dritte ist unser kochend heißer Kartoffelbrei. Vorsicht, hier verbrennt man sich leicht, denn er blubbt gern noch nach.
Jetzt vorsichtig und langsam erst einmal den Brei und die Kartoffelstärke grob verrühren, dann nach und nach den Schab mit einarbeiten. Der Kloßteig wird immer schwerer zu rühren und klebriger. Aber dadurch wisst ihr, es gelingt! Holt euch ruhig Hilfe zum Schüssel halten oder rühren. Der Kloßteig ist fertig, wenn er sich vom Schüsselrand und Boden löst und der Quirl steht.
Jetzt die Hände in kaltes Wasser halten und den heißen Teig nochmal zu einem großen Klumpen formen.
Formen und fertig stellen
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Jetzt wirds heiß!
Unser Kloßteig ist nun fertig. Füllt euch eine Schüssel oder einfach den Breitopf mit eiskalten Wasser auf. Darin badet ihr vor jedem Kloßformen eure Hände um sie abzukühlen und um die Kloßmasse weniger klebrig zu machen, während die Klöße durch eure Handflächen hüpfend, zu kleinen Bällen geformt werden. Ich mache das nach Gefühl, meine Klöße sind ungefähr so groß wie meine Hände, wenn ich Fingerspitzen und Handballen aneinander lege.
Das ordentlich sprudelnde Salzwasser wird jetzt auf die kleinste Stufe gestellt, denn die Klöße sollen nicht sprudelnd kochen, nur vor sich hin sieden. Die Klöße rasch mit kühler Hand zu einem Ball formen, also die benötigte Menge von der Masse abtrennen, in die Mitte etwa 5 Semmelwürfel geben und den Kloß durch häufige Drehbewegungen in der Handfläche, zum Kloß formen. Nun in das noch leicht kochende Salzwasser geben. So verfahren wir bis die ganze Kloßmasse aufgebraucht ist. Sobald die ersten Klöße drin sind, blubbert das Wasser nicht mehr. Das soll so sein, die Klöße ziehen nur in dem Wasser. Zuerst sinken sie nach unten, kommen aber nach einiger Zeit an die Oberfläche. Entgegen der vielen Rezepte, die besagen, dann wären die Klöße gut, muss ich sagen, meine sind es erst nach 20 Minuten Ziehzeit. Der erste Kloß kommt schon nach ein paar Minuten an die Oberfläche. Gebt den Klößen die Zeit in Ruhe durchzuziehen.
Mit einem Kloßlöffel die Klöße aus dem Wasser holen und gleich auf den Teller. Die restlichen Klöße ruhig in dem Wasser lassen, da bleiben sie schön heiß für den Nachschlag:). Herd ausschalten nicht vergessen.
Wenn es beim ersten Mal nicht gelingt, nicht aufgeben, es lohnt sich! Ich habe einige Anläufe gebraucht und hatte am Anfang immer eine Sicherheits-Ferigkloßmasse im Kühlschrank.
Anmerkung
Ein guter Sonntagsbraten, ein Thüringer Kloß, viel Soße und ein Schälchen Gemüse dazu. Den Tisch voll mit Familie und lieben Freunden. So kenne ich das aus meiner Kindheit. Die Klöße saugen die Soße schön auf, so wie es sein soll und am nächsten Tag kann man sie in Scheiben schneiden und schön von beiden Seiten goldbraun braten. Ich wünsche gutes Gelingen und guten Appetit!
